Blasorchester spielt vor ausverkauftem Saal

 

Das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe auf einer Reise zur Hindenburg und quer durch die Achtziger Jahre. Die Musiker des Blasorchesters begeisterten an gleich zwei Konzerttagen und präsentierten dabei, passend zum beginnenden Frühling, einen bunten Melodienstrauß.

Nach der Eröffnung mit dem Stück „Castaldo-Marsch“ von Rudolf Novácek 1890 komponiert, ergriff Jürgen Poschner das Wort und führte von nun an durch das Programm. „Für unser nächstes Stück muss ich etwas ausführlicher ausholen“, erklärte Poschner, als er die Geschichte des folgenden Musikstücks erläuterte. In seinem Werk erzählt der Komponist Michael Geisler die Geschichte der Hindenburg. Von dem Weg auf das Rollfeld, wo Passagiere über das pompöse Aussehen der Hindenburg staunen, über ihren majestätischen Flug Richtung Amerika bis hin zur Tragödie, die nicht nur das Ende der Verkehrsluftschifffahrt bedeutete, sondern auch 36 Menschen bei der Landung in Lakehurst, New Jersey, das Leben kostete. Eindrucksvoll schilderten hier die verschiedenen Register die Stationen der Hindenburg und lassen ihr Schicksal musikalisch erlebbar werden. Anschließend begaben sich die Musiker auf ein „Hofkonzert mit Strauß“ und nahmen das sichtlich begeistere Publikum mit in die Welt des Walzerkönigs und einigen seiner bekanntesten Stück wie den „Radetzky Marsch“, „Unter Donner und Blitz“ und „An der schönen Blauen Donau“ bevor sie in die Weiten der Puszta eintauchten. Roland Kohler, der Leiter der „Neuen böhmischen Blasmusik“ hat in seine Polka „Puztazauber“ das ganze Feuer und Temperament Ungarns gepackt und so konnte man durch die flinken Finger der Klarinettistinnen auch im Saal im Kulturhaus in Drabenderhöhe leicht den Eindruck erhalten, man säße um ein Lagerfeuer mit einer Portion feurigen Gulaschs.

Nachdem der Applaus verklungen war, entschuldige sich Jürgen Poschner in seiner Moderation beim Publikum und kündigte eine kleine Programmänderung an. Aufgrund des großen Erfolgs des ersten Konzerts, welches bereits am 16. März in der Volksbankfiliale in Wiehl stattgefunden hatte, war man sich noch am selben Abend einig – das sollte wiederholt werden. Gemeint war die Zusammenarbeit mit der Tanzgruppe Wiehl-Bielstein, die Jürgen Poschner nun herzlich im Saal begrüßte. Oft treffen beide Gruppen bei gemeinsamen Veranstaltungen aufeinander und in der Regel sind die Tanzgruppen mit einem CD-Player ausgestattet, der mal mehr mal weniger gut funktioniert. Die Lösung lag schnell auf der Hand – zumindest für Stephanie Schoger und Michael Schumachers. Sie knüpfte den Kontakt zur Tanzgruppe Wiehl-Bielstein und Michael arrangierte einige siebenbürgische Tänze für Orchester. Das Ergebnis erfreute nicht nur die Musiker, sondern auch die Besucher im Saal. Vereinzelt konnte man erkennen, dass einige der Besucher sogar den Text zur „Reklich Med“ (redliche Maid), dem letzten von insgesamt vier Tänzen mitsangen. Hier haben Blasorchester und Tanzgruppe einen wichtigen Schritt getan. Obwohl es ähnliche Aktionen in der Geschichte des Verbandslebens der Siebenbürger Sachsen in Deutschland schon gegeben hat, sind sie sehr selten. Im Gespräch mit Musikern wurde deutlich, dass weitere Tänze schon in Planung sind. Im nächsten Stück waren dann die Hölzer, genauer die Piccoloflöten gefordert. Nach zahlreichen Solisten aus dem Register der Blechbläser in den letzten Jahren waren nun die beiden Flötistinnen Anja Wischnewske und Franziska Menning an der Reihe. Sie imitierten mit Ihren Piccoloflöten die Unterhaltung zweier kleiner Finken am Gartenzaun und die Besucher lauschten ihrer Erzählung gebannt – es war mucksmäuschen still im Saal und im Anschluss gab es viel Applaus.

blasorchester drabenderhoehe tanzgruppe bielstein 3

Nach dem Drina Marsch entließ Jürgen Poschner Besucher und Musiker in die wohlverdiente Pause.

Den zweiten Konzertteil leitete ein Einspieler zum Gedenken an Ernst Mosch ein, der auch liebevoll „Der König der Blasmusik“ genannt wurde. Zum 20jährigen Todestag spielte das Orchester im Anschluss die „Fuchsgraben-Polka“ und den Walzer „Rauschende Birken“, die Mosch zum Durchbruch verhalfen und bis heute zu den meistgespieltesten seiner Werke zählen. Kaum waren die letzten Takte und der Applaus beendet, wechselten einige Musikerinnen die Instrumente – für Besucher, die regelmäßig zu Konzerten kommen, ein Indiz, das jetzt „was Modernes“ kommt. Mit „Back to the 80’s“, geschrieben von Michael Schumachers, begann eine Reise in die Welt von Schulterpolstern, dem ersten VW Golf und Windows-Computer. Als nächstes sang Ann-Kathrin Wischnewske „The Power of Love“, bekannt geworden durch Jennifer Rush und Celine Dion. Bravo-und Zugabe-Rufe aus dem Publikum zeigten eindeutig – die Version von Ann-Kathrin kann hier eindeutig mithalten. Zum Abschluss begeisterte das Orchester mit dem Medley „Abba Gold“ von Ron Sebregts und verabschiedete sich nicht ohne viel Applaus und den Zugaben „Amsel Polka“, „Deutschmeister Regimentsmarsch“ und dem „Colonel Bogey“.

Wem die Wartezeit bis zu den nächsten Jahreskonzerten des Blasorchester zu lange ist, kann Sie beispielsweise am 30. Mai beim Drabenderhöher Familienpicknick live erleben. Regelmäßige Updates zu den Terminen finden Sie auf der Homepage (www.7tk.de) oder auf Facebook.

Stephanie Schoger